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ÔÇ×Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.ÔÇť

10.03.2016

Dieses gefl├╝gelte Wort stammt von Sigmund Freud ÔÇô einem der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Vor genau 160 Jahren wurde er geboren. Seine zahlreichen Ehrungen und seine Bedeutung f├╝r die Wissenschaft sind Grund genug, um einen Blick auf sein Leben zu werfen.

Mit seiner Theorie ├╝ber das Unterbewusste und die Verdr├Ąngung schuf Sigmund Freud ein einflussreiches Gedankenkonstrukt. Geboren wurde der Sohn des j├╝dischen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen Frau Amalia im Jahr 1856 in M├Ąhren, das damals zum Kaisertum ├ľsterreich z├Ąhlte und heute zu Tschechien geh├Ârt. Bald darauf zog die Familie nach Wien um. Seine Ausbildung absolvierte Freud an der Universit├Ąt Wien: Er studierte Medizin und forschte am Physiologischen Institut. 1882 promovierte Freud zum Dr. med. und arbeitete anschie├čend im Allgemeinen Krankenhaus Wien - im Laboratorium f├╝r Gehirnanatomie.

Untersuchungen mit Kokain

Sigmund Freud besch├Ąftigte sich eingehend mit Pharmakologie und einer damals noch kaum bekannten Droge: Kokain. In einer Studie dar├╝ber, in der er auch Selbstversuche unternommen hat, bemerkte er die schmerzstillende Wirkung der Droge. Freud n├╝tzte die therapeutische Wirkung von Kokain zur lokalen Behandlung von Nebenh├Âhlenentz├╝ndungen, wie aus dem Briefwechsel zwischen Freud und dem deutschen Arzt Wilhelm Flie├č hervorgeht.

In seinen Zwanzigern begann Freud, Zigarren zu rauchen. Allerdings rauchte er nicht nur zum Genuss, sondern auch, um soziale Kontakte zu kn├╝pfen: Er legte Wert darauf, gemeinsam mit Freunden und Kollegen zu rauchen. Obwohl sich Freud oft des Symbolismus bediente, lehnte er die klischeehafte Interpretation von Zigarren als phallische Objekte ab - daher stammt auch das ber├╝hmte Zitat: "Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre."

Von der Hypnose zur Traumdeutung

Im Zuge einer Studienreise nach Paris besuchte Freud die psychiatrische Klinik am H├┤pital Salp├¬tri├Ęre. Dort wurde Hysterie als Krankheit erforscht, und es gab bereits Heilungsversuche durch Hypnose. Auch Freud wandte diese Methode an und schrieb gemeinsam mit seinem Kollegen Josef Breuer das Werk "Studien ├╝ber Hypnose". In dieser Zeit heiratete Freud Martha Bernays, die aus einer geachteten Hamburger Gelehrtenfamilie stammte. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder. Ihre j├╝ngste Tochter Anna setzte sp├Ąter die Tradition der Psychoanalyse fort.

Sigmund Freud befasste sich nun mit der Methode der freien Assoziation. Dieses Konzept geht davon aus, dass Tr├Ąume seelische St├Ârungen bedingen k├Ânnen. Der Therapeut soll aus spontanen ├äu├čerungen von Patienten dessen ├ängste erfahren k├Ânnen. Aus diesem Konzept heraus entwickelte Freud die Traumdeutung, eine Vorstufe der Psychoanalyse.

In der Psychoanalyse definierte Freud unterbewusste Sexualphantasien im Kindesalter als Hauptantrieb des menschlichen Verhaltens. Diese Phantasien w├╝rden unterdr├╝ckt, da sie gesellschaftlich nicht akzeptiert werden. In Tr├Ąumen wollte Freud auch Hinweise auf Konflikte zwischen den kindlichen Phantasien und den gesellschaftlichen Normen finden. Um die menschliche Psyche zu erkl├Ąren, entwarf Freud das Strukturmodell der Psyche. Dieses Konzept beschreibt er in einem seiner Hauptwerke: "Das Ich und das Es" (1923). Darin unterteilt er die menschliche Psyche in drei Teile: das Ich (entspricht in etwadem Bewusstsein), das Es (die menschlichen Triebe) und das ├ťber-Ich (eine moralische Instanz).

Verfolgung und Exil

Im Jahr 1933 fielen die Werke Sigmund Freuds den B├╝cherverbrennungen des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer. Nach dem Anschluss ├ľsterreichs im Jahr 1938 wurde Tochter Anna von der Gestapo verh├Ârt. Sie ├╝berzeugte schlie├člich ihren Vater davon, das Land zu verlassen. Die Familie schaffte es, ├╝ber Paris nach London zu emigrieren. Versuche, den Schwestern von Sigmund Freud ebenfalls die Flucht zu erm├Âglichen, scheiterten. Vier von f├╝nf seiner Schwestern wurden in Konzentrationslager gebracht und von den Nationalsozialisten ermordet.

Freud selbst starb ein Jahr nach seiner Flucht nach London. Da er an Krebs litt und von der Krankheit stark gezeichnet war, verlangte Freud von seinem Arzt Sterbehilfe. Sigmund Freud verstarb am 23. September 1939 in London. Nach seinem Tod hat sich die Psychoanalyse in verschiedene Schulen aufgeteilt.

Ehrungen und Kritik

Der Psychoanalytiker erhielt zahlreiche Auszeichnungen f├╝r sein Schaffen. Zu Lebzeiten wurde er im Jahr 1930 mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. Im Jahr 1955 wurde im Arkadenhof der Universit├Ąt Wien ein Denkmal errichtet. Au├čerdem findet hier j├Ąhrlich die Sigmund-Freud-Vorlesung statt, zu der ber├╝hmte Vortragende aus aller Welt eingeladen werden.

Doch Freunds Werk wurde kritisiert und ist in der Fachwelt sehr umstritten: Aus kritisch-rationalistischer Perspektive wird vor allem die Psychoanalyse als zu empirisch und subjektiv gesehen. Die Psychoanalyse sei laut Kritikern zu wenig wissenschaftlich: Ergebnisse k├Ânnten nicht nachgepr├╝ft werden.

Als eines der gr├Â├čten Probleme werden die Widerspr├╝che in Freuds Traumdeutung gesehen. Freud behauptet hier, dass alle Tr├Ąume auf kindlichen W├╝nschen beruhen und meistens sexuell motiviert sind. Die Beispiele f├╝r Traumdeutungen entsprechen diesen Kriterien aber meist nicht.

Dennoch: Freud hat einen wichtigen Beitrag f├╝r die Wissenschaft und Gesellschaft geleistet. Anh├Ąnger verstehen die Psychoanalyse als umfassende Theorie, die menschliches Erleben und Handeln erkl├Ąren kann.

Sigmund Freud beeinflusste mit seinen Theorien weitere Entwicklungen in der Medizin, Psychologie und Philosophie und erm├Âglichte einen Einblick in das menschliche Unterbewusstsein. Seine Methoden werden teilweise bis heute angewandt und diskutiert.

Zur Person

Sigmund Freud, als Sigismund Schlomo Freud 1856 in Freibergin M├Ąhren geboren, war der Begr├╝nder der Psychoanalyse. Er war ein bedeutender ├Âsterreichischer Neurologe, Tiefenpsychologe und Kulturtheoretiker. Freud verstarb 1939 in London.