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Heinz Fischer – das Ende einer Ära

11.04.2016

Zwölf Jahre lang hatte Heinz Fischer das Amt des Bundespräsidenten inne – er repräsentierte Österreich seit 2004. Jetzt wird ein neuer Präsident gewählt. Ein Portrait über den Mann, der nicht nur für seine Augenbrauen bekannt ist.

Immer wieder werden von Meinungsforschern Beliebtheits-Rankings veröffentlicht. In der Sparte der Politiker ist Bundespräsident Heinz Fischer stets vorne dabei. Am 25. April 2010 wurde er für eine zweite Amtsperiode mit fast 80 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Der erfahrene Politiker gilt als ausgewogen und bedacht. Als Präsident repräsentierte Fischer das Land und wurde in wichtige politische Entscheidungen eingebunden. Eine weitere Aufgabe eines Präsidenten bestand für Fischer darin, dafür zu sorgen, dass es in Österreich redlich zugeht, wie er in einem Interview mit der Onlineplattform watchado.com erklärt. Er sieht sich selbst also auch als moralische Instanz.

Gesellschaftliche Anliegen

Heinz Fischers moralische Appelle zeigten sich zum Beispiel beim "Voices for Refugees"-Konzert im Oktober 2015 in Wien. Hier teilte er mit, sich fĂĽr die Beendigung aller Konflikte weltweit einzusetzen und bedankte sich fĂĽr den Einsatz der Ă–sterreicher in der FlĂĽchtlingshilfe. Ein anderes Anliegen Fischers war die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Er sprach sich auĂźerdem gegen das Adoptionsverbot von Kindern fĂĽr homosexuelle Paare aus.

Doch Fischer lobte nicht nur, er tadelte auch. Das hat beispielsweise FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache zu spüren bekommen: Im Jahr 2012 verweigerte der Präsident dem FPÖ-Politiker die Verleihung des "Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern". Strache hatte zuvor angesichts der Proteste gegen den Wiener Akademikerball behauptet, die Ballbesucher seien "die neuen Juden". Eine weitere Rüge gab es Anfang 2016: Strache bezeichnete Bundeskanzler Werner Faymann als "Staatsfeind". Fischer verurteilte Straches Aussage daraufhin öffentlich.

Plan B zur Politik

Heinz Fischer studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Nach seiner Promotion zum Doktor arbeitete er zuerst am Straflandesgericht Wien als Jurist, danach als Sekretär der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion im Parlament. In dieser Funktion setzte sich Fischer verstärkt mit politischer Arbeit auseinander und wurde 1971 in den Nationalrat gewählt. 30 Jahre lang hatte er verschiedene Funktionen im Parlament inne - 1975 wurde er Klubobmann der SPÖ, danach war er Wissenschaftsminister und 1990 wurde er zum Nationalratspräsidenten gewählt. Nebenbei habilitierte er sich an der Universität Innsbruck in Politikwissenschaften und wurde zum Universitätsprofessor ernannt. Eine Alternativezur Politik hatte Fischer also: eine Karriere in der Wissenschaft.

Die Kreisky-Wiesenthal-Affäre

Die wohl heikelste Angelegenheit in der politischen Karriere Fischers stellte sein Part in der Kreisky-Wiesenthal-Affäre dar. Im Streit zwischen Bruno Kreisky und dem "Nazi-Jäger" Simon Wiesenthal forderte Heinz Fischer, damals Klubobmann der SPÖ, einen Untersuchungsausschuss gegen Wiesenthal. Fischer, selbst Doktor der Rechtswissenschaften, war sich bestimmt bewusst, dass ein U-Ausschuss rechtlich nie zustande kommen konnte. Er handelte nur aus Loyalität Kreisky gegenüber.

Pro und Kontra des Berufs

Als Bundespräsident hat man eine repräsentative Funktion - das schließt ein, dass auch kulturelle Veranstaltungen oder Fußball-Länderspiele auf Fischers Agenda standen. Was ihm an seinem Job am besten gefallen hat, war, dass er jeden Tag etwas macht, das für das ganze Land wichtig und nützlich ist, erklärt er in einem Interview mit watchado.com. Es gab allerdings auch ungeliebte Aspekte dieser repräsentativen Tätigkeit: Ein Nachteil seiner Arbeit sei, dass man permanent im Rampenlicht steht. Jeder Schritt werde beobachtet und kommentiert. Zudem befindet sich immer ein Kriminalbeamter in der unmittelbaren Umgebung des Präsidenten. "Selbst wenn Heinz Fischer - das Ende einer Ära man mit seiner Frau am Hochzeitstag in ein Restaurant geht, ist er immer in der Nähe. Oder wenn man unterwegs ein Badezimmer aufsucht", so Fischer im Interview.

Obwohl Fischer meint, die mediale Präsenz nicht zu mögen, erfährt man in der 2015 erschienenen Biografie seiner Frau Margit einige Anekdoten aus seinem Privatleben. In dem Buch "Was wir weitergeben" schreibt Margit Fischer über ihre Jugend im Nachkriegs-Wien, aber auch über die Ehe mit Heinz Fischer. Den Präsidenten bringt das nicht aus der Ruhe. Fischer ist für seine Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit bekannt. Falls er doch einmal gestresst ist, greift der "Pfeifenraucherdes Jahres 1987" zur Pfeife, um sich zu entspannen. In der Öffentlichkeit raucht Fischer heute allerdings nicht mehr.

Nach zwei Amtszeiten als Bundespräsident darf Heinz Fischer nun nicht mehr zur Wahl antreten. Wehmütig fühle sich Fischer angesichts des Abschieds aus der Hofburg nicht, stellt er in einem Interview mit dem Standard klar. Nach 55 Jahren intensiver Berufstätigkeit und knapp vor seinem 78. Geburtstag habe er nichts dagegen, dass sein Terminplan lockerer wird.

Zur Person

Heinz Fischer wurde am 9. Oktober 1938 in Graz geboren. Er ist seit 2004 österreichischer Bundespräsident. Jetzt wird nach seiner zweiten Amtsperiode ein neuer Präsident gewählt. Mit Amtsantritt stellte er seine Mitgliedschaft bei der SPÖ ruhend. Fischer ist verheiratet und hat zwei Kinder.