leben

Johannes Tichy

Wolfgang Böck

Der „Ehrenkieberer“

11.08.2016

Schauspieler, Theaterintendant und Sänger, aber auch begeisterter Motorradfahrer, Liebhaber von Oldtimern und passionierter Raucher – Wolfgang Böck, der „Weaner“ aus dem Mühlviertel, im Porträt.

Wolfgang Böck ist im Jänner 1953 in Linz geboren und verbrachte seine Jugendzeit auch im Mühlviertel. Er besuchte die Höhere Technische Lehranstalt für Maschinenbau in Linz, die er 1973 abbrach, um auf die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz zu wechseln, welche er mit Auszeichnung abschloss. Seine Leidenschaft zur Schauspielerei wurde durch das Stück "Magic Afternoon" von Wolfgang Bauer am Linzer Landestheater geweckt. Am Bregenzer Theater hatte er seine ersten Theaterengagements. Darauf folgten verschiedene Rollen, wie u. a. in "Kasimir und Karoline" am Landestheater Linz, im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen oder am Wiener Volkstheater. Seine Film- und Fernsehrollen umfassen "KommissarRex", "Der Nachbar" oder "Tatort". Zu seiner populärsten Rolle wurde die des Inspektors Trautmann im "Kaisermühlen  Blues" (1995).

Der Wiener Schmäh rennt

Seit seiner Verkörperung des TV-Inspektors Trautmann sehen ihn die Medien als Inbegriff des Wieners. Der "Wiener Schmäh" liegt ihm zweifelsohne - so sieht es Böck selbst. Für den gebürtigen Linzer ist der Wiener Dialekt mit seinem speziellen Witz außergewöhnlich. In einem Interview auf kurier.at erklärt er: "Ich neige ja dazu, dass ich fremde Idiome rasch annehme, und das Wienerische in seiner bescheidenen und bildhaften Form hat mich von Anfang an angesprochen." Nach dem Erfolg seiner Rolle als Trautmann startete die Film-Reihe "Trautmann-Krimis". Im Zuge dessen erhielt Böck zwei Mal den österreichischen Fernsehpreis Romy in der Kategorie "Beliebtester Serienstar". Seine authentische Darstellung des Wiener Inspektors bescherte ihm zusätzlich den Titel "Ehrenkieberer" durch die Vereinigung der Bundeskriminalbeamten. Mit seiner Rolle als einer der Stadler-Brüder in der Filmtrilogie "Brüder" (2002) erhielt Wolfgang Böck zusammen mit Erwin Steinhauer und Andreas Vitasek den Darstellerpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste beim Filmfestival Baden-Baden. Seine Rolle als Wiener Ermittler setzte er in "Willkommen in Wien" (2011) fort, wo er den mürrischen Polizisten Albert Schuh mimte, der sich mit einem jungen deutschen Partner arrangieren muss.

Vielseitiges Engagement

Schon seit 1987 ist Böck als freiberuflicher Schauspieler tätig. Er hatte Gast-Engagements in Zürich, Berlin und am Theater in der Josefstadt. Seit Oktober 2003 ist er leitender Intendant der Schloss-Spiele Kobersdorf, wo er Stücke wie "Die Dreigroschenoper" (2006), "Der Kopf des Joseph Haydn" (2009) oder "Der eingebildete Kranke" (2011) produzierte. Dabei steht er auch selbst auf der Bühne. Nicht nur als Schauspieler und Theaterintendant ist Böck erfolgreich, sondern auch mit seinen Musikprogrammen wie "Strizzilieder" oder "Oide Hawara". Hierbei hat er sich gemeinsam mit Adi Hirschal in musikalischer Zusammenarbeit dem Wienerlied angenommen. Neben seiner Schauspielkarriere ist Böck seit 2005 auch als MPS-Botschafter unterwegs und setzt sich damit für ein öffentliches Bewusstsein der Stoffwechselerkrankung Mukopolysaccharidose ein.

"Das Rauchen ist jedenfalls ein Genuss"

Die ersten Kontakte mit dem Rauchen waren bei Böck Bubenstreiche. Als er noch die HTL in Linz besuchte, hatte er bei der VÖEST einen Sommerjob in der Gießerei im Stahlwerk. Dort habe er mit den Arbeitern "nicht zuletzt aus Solidarität - 3er geraucht". Die 3er, bekannt als Austria 3, waren filterlose Zigaretten in einer olivgrünen Schachtel, die, da sie sehr günstig waren, unter der Arbeiterschaft recht beliebt waren.

Eines seiner jugendlichen Raucherlebnisse hatte er in der Werkshalle der VÖEST, als ihn ein Kollege fragte, ob er denn seine Zigarette bei einem der abkühlenden Stahlblöcke anzünden könnte. "Ich hatte damals lange Haare und einen Bart. Der Tschick hat nachher gebrannt. Die Haare und der Bart auch", so Böck in einem Interview, das im Buch "Rauchende Köpfe. 40 Porträts" von Thiel und Tichy erschienen ist. Im Sommer seines ersten Theaterengagements in Bregenz habe er "zum ersten und bis jetzt einzigen Mal zum Rauchen aufgehört". Es hielt bis zum darauffolgenden Herbst, als er an der Zigarette eines Kollegen einen Zug machte.

Für Böck ist das Rauchen Teil eines Genusses, den er nicht aufgeben möchte. Genauso wenig kann er sich mit den neu aufkommenden Reglementierungen beim Rauchen anfreunden. Auch ist er einer der klassischen Raucher, der seine Zigaretten selbst dreht.

Reiz des Spielens

In seiner bisherigen Laufbahn ist es Wolfgang Böck gelungen, bei großen und erfolgreichen österreichischen und deutschen Produktionen mitwirken zu können. Böck kann als typisch österreichischer Schauspieler gesehen werden. Er fühlt sich selbst sehr im Österreichischen verwurzelt und dadurch kann er seine schauspielerische Authentizität besser hervorheben. Für ihn ist die Schauspielerei auch etwas Anstrengendes und Aufwühlendes, vor allem auf Theaterbühnen. Durch die unterschiedlichen Rollen wird die eigene Persönlichkeit mitgeprägt, als Schauspieler hat man dort auch eine intensivere Präsenz. "Theaterspielen verschleißt mehr, kostet mehr Kraft." Gleichzeitig ist es für ihn wunderbar, weil der Applaus der Menschen Kraft zurückgibt. Vor Kurzem konnte man Böck in der Komödie "Otello darf nicht platzen" bei den Schloss-Spielen Kobersdorf sehen.

Zur Person

Der österreichische Schauspieler WolfgangBöck (geb. 1953 in Linz) besuchte die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, die er 1976 abschloss. Sein erstes Theaterengagement begann er am Bregenzer Theater. Es folgten zahlreiche Theateraufführungen sowie Fernseh- und Filmproduktionen. Bekanntheit erlangte er mit der Rolle des Wiener Inspektors Trautmann in der Serie "Kaisermühlen Blues" 1995. Er erhielt mehrmals den Romy-Preis und leitet als Intendant die Schloss-Spiele Kobersdorf.