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Bayern erlaubt Joints in Cafés

11.02.2018

Gilt allerdings nicht für jeden und nur für pures Marihuana ohne Tabak

Eine skurrile Situation zum Thema Nichtraucherschutz gibt es wie VICE berichtet in Bayern. Gerade das deutsche Bundesland, das Marihuana-Konsumenten an sich am strengsten verfolgt, erlaubt nun das Kiffen offenbar sogar dort, wo das Rauchen von Zigaretten längst verboten ist: In Cafés, Bars und theoretisch auch in öffentlichen Gebäuden. Dies gilt allerdings ausschließlich für medizinisch verordnetes Cannabis und nur, wenn das Kraut pur und nicht mit Tabak vermischt geraucht wird.

Der Konsum von Cannabis als Genussmittel ist in Deutschland prinzipiell wie in Österreich illegal, die Bundesländer verfolgen Konsumenten jedoch unterschiedlich streng. Bayern gesteht bundesweit den Fans der berauschenden Pflanze am wenigsten gesetzlichen Spielraum zu. Bei der Einnahme von Cannabis als Medizin gilt laut Stellungnahme des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gegenüber dem Deutschen Hanfverband (DHV): "Prinzipiell dürfen Patienten das überall tun – solange der Nichtraucherschutz beachtet wird." Das klingt vor allem so, als dürften Patienten ihre oft mehrmaligen täglichen Dosen mittels oraler Einnahme oder Verdampfer verabreichen. Gerade das strenge Bayern legt den Nichtraucherschutz hier aber äußerst locker aus.

Auf Anfrage des DHV heißt es in einem Schreiben des Bayerischen Gesundheitsministeriums, der Verwaltungsgerichtshof habe entschieden, dass "tabakfreie Konsumformen" nicht unter das Gesundheitsschutzgesetz fallen würden - also auch nicht das Rauchen von purem Marihuana. Solange Cannabis-Patienten ihre Medizin ohne Tabak rauchen, gilt für sie der Nichtraucherschutz nicht. Auch die "Art und Weise des Konsums (Zigarettenform, Wasserpfeife o.ä.)" sei egal. Demnach dürfte man sich im Gasthaus zu Weißwurst und Bier einen dicken Joint völlig legal anzünden. Einzige Bedingung: Der Konsument muss ein Rezept in der Tasche haben.